DIE TERPENE - DIE AROMATISCHEN WIRKSTOFFE VON CANNABIS

Aus den vielen chemischen Bestandteilen, die in Cannabis enthalten sind, gehören etwa 140 zu der Gruppe der organischen Kohlenwasserstoffe. Man nennt sie Terpene. Terpene sind Duftmoleküle, die in allen Pflanzen also auch in Cannabis vorkommen. Die Kombination der verschiedenen Terpene definiert die Duftnote jeder Pflanze. Cannabis ist insofern speziell, weil jede Sorte ein einzigartiges Profil von Terpenen aufweist. Es wird angenommen, dass unabhängig von den Cannabinoiden auch Terpene medizinische Eigenschaften aufweisen. Die Terpene sind nanopartikelgrosse, aromatische Moleküle, die problemlos die Blut-Hirn-Schranke (eine Schicht, die das Gehirn vom Blut trennt, damit keine giftigen Substanzen ins Gehirn gelangen) überwinden und direkt ins zentrale Nervensystem einwirken können. Im Gegensatz zu ihnen bestehen pharmazeutische Wirkstoffe aus grossen Molekülen, die die genannte Schranke nicht überwinden können.

DIE TERPENE VON CANNABIS

Die in Cannabis enthaltenen Terpene werden von einem Sekret ausgeschieden, das Zellen in den glandulären Trichomen produzieren. Die Produktion der Terpene wird unter Lichteinstrahlung angeregt. Wie auch bei den Cannabinoiden sammeln sich Terpene hauptsächlich im ausgeschiedenen Harz der Pflanze an.

DIESE FUNKTION HABEN DIE CANNABIS - TERPENE

Die aromatischen Inhaltsstoffe finden sich in besonders starker Konzentration in den Blüten weiblicher, unbefruchteter Pflanzen und schützen sie vor Bakterien, Pilzen, Insektenbefall und anderen umweltbedingten Stressfaktoren. Die Menge und Zusammensetzung der Terpene einer Pflanze hängt von ihrer Genetik und den Anbaubedingungen ab.

Wie bereits erwähnt, helfen die Duftstoffe dabei, Parasiten fernzuhalten und bestäubende Insekten anzulocken. Obwohl die exakte Zusammensetzung der Terpene von Pflanze zu Pflanze einzigartig ist, ähneln sich Pflanzen derselben Sorte. Das liegt daran, dass die Kombination von Terpenen unter Verwandten derselben Genetik sehr ähnlich ist. Das revolutionäre an der Wirkungsweise von aromatischen Stoffen liegt nicht nur im Vermögen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, sondern in der stetigen Evolution der natürlichen Genetik. Selbst mutierende Feinde haben dagegen schlechte Karten und eine Resistenzbildung gegen die Wirkstoffe ist nahezu ausgeschlossen.

DIE EIGENSCHAFTEN DER TERPENE

Während die Wirkungen und Eigenschaften der Cannabinoide (insbesondere von THC und CBD) Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien sind, sind die Terpene noch weitgehend unerforscht. Obwohl schon einige Studien durchgeführt wurden, sind noch unzureichende wissenschaftliche Erkenntnisse vorhanden, die therapeutische und heilsame Wirkungen von Terpenen nachweisen. Einige Studien haben aufgezeigt, dass die Terpene zum sogenannten «Entourage-Effekt» beitragen. Das heisst, dass es die therapeutischen Wirkungen von anderen Bestandteilen, insbesondere der Cannabinoide, verstärken kann. So bewies der Neurowissenschaftler Ethan Russo in einer Studie, dass die Terpene die nachteiligen Auswirkungen von THC mildern und somit die therapeutische Wirksamkeit des Cannabinoids begünstigen. Russo geht davon aus, dass dieses Zusammenwirken von Cannabinoiden und Terpenen die heilenden Eigenschaften des Cannabis verstärkt. 

So wie das THC (neben anderen Cannabinoiden) mit den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems interagiert, tun dies auch ein Teil der Terpene und beeinflussen damit die Gesamtwirkung. Einige Terpene können sogar die Menge des THC modifizieren, dass durch die Blut-Hirn-Schranke dringt. Terpene haben als einen Einfluss darauf, wie Cannabis auf unseren Körper wirkt und es gibt sogar Studien, die aufzeigen, dass diese Bestandteile auch den Dopamin und Serotoninspiegel beeinflussen können.

Die Wirkungsweise ist von Terpen zu Terpen verschieden. Myrcen kann beispielsweise eine narkotisierende, beruhigende Wirkung hervorrufen, während Limonen Scharfsinnigkeit und Konzentration begünstigt. Es existieren sogar Studien, die darauf hinweisen, dass das Terpen Beta-Caryophyllen neuroprotektive Eigenschaften besitzt und sich deshalb zur Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson einsetzen lassen könnte. Deswegen können diese von der Forschung lange vernachlässigten Bestandteile der Cannabispflanze wichtige therapeutische Eigenschaften bieten und zwar nicht nur in isolierter Form, da sie anscheinend auch mit den Cannabinoiden in unserem Körper interagieren.

LINALOON 


Siedepunkt: 198 ° C

Dieses Monoterpen verströmt ein blumiges Aroma, dass manchmal auch als «lavendelartig» beschrieben wird. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da es in hoher Konzentration in der Lavendelpflanze vorkommt. Seine anxiolytische und beruhigende Wirkung macht es zu einem perfekten Verbündeten zur Bekämpfung von Schlaflosigkeit. Es wurden auch andere interessante Wirkungen dieses Terpens untersucht und es scheint, dass es auch entzündungshemmende und krampflösende Eigenschaften aufweist.

In diesem Sinne wurde untersucht, ob Linalool und andere Terpene sich medizinisch einsetzen lassen. Einer Studie zufolge kann Linalool dabei helfen, Entzündungen in den Lungen durch Tabakkonsum abklingen zu lassen. Weitere Studien ergaben, dass es sich positiv auf das Immunsystem auswirken könnte.

CARYOPHYLLENE


Siedepunkt:176°C

Caryophyllen ist ein Sesquiterpene, das in vielen Pflanzen wie Thai-Basilikum, Nelken oder schwarzem Pfeffer vorkommt und einen reichen, würzigen Geruch hat. Die Forschung hat gezeigt, dass β–Caryophyllene-Caryophyllene Affinität für den CB2-Endocannabinoid-Rezeptor hat. β–Caryophyllene-Caryophyllene ist bekannt als antiseptisch, antibakteriell, antimykotisch, antitumorös und entzündungshemmend.

MYCRENE


Siedepunkt:168°C

Myrcen ist ein Monoterpen und aus den verschiedensten Gründen eines der wichtigsten Terpene. Es ist auch ein Vorläufer bei der Bildung anderer Terpene. Myrcene findet man auch in frischen Mangos, Hopfen, Lorbeerblättern, Eukalyptus, Zitronengras und in viele andere Pflanzen.

Man weiss heute, dass Mycren zusammen mit THC einen Synergieeffekt eingeht. Wenn man 45 Minuten vor dem Konsum von Cannabis eine frische Mango isst, ist bei den meisten Menschen die psychoaktive Wirkung des THCs intensiver. β-Myrcen kann auf die gleiche Weise verwendet werden, um die Aufnahme mit einer Vielzahl von chemischen Verbindungen zu verbessern. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass ein hoher Myrcenspiegel in der Cannabispflanze (normalerweise über 0,5 %) zu dem bekannten «Couch Lock»-Effekt beitragen kann, meist gefunden in so genannten Indica-Sorten.

HUMULENE


Siedepunkt: 198 °C

Humulen ist ein Sesquiterpen, auch bekannt als α-humulene und α-caryophyllene. Humulen kommt unter anderem in Hopfen, Cannabis-Sativa-Stämmen und vietnamesischem Koriander vor. Humulen verleiht dem Bier sein «hopfiges» Aroma. Es weist antibakterielle, entzündungs- und appetithem-mende Eigenschaften auf. In der chinesischen Medizin wird Humulen seit langer Zeit erfolgreich gegen Entzündungen eingesetzt.

PINENE


Siedepunkt:155°C

Pinen ist ein weiteres Monoterpen. Es gibt den Kiefern und dem Baumharz seinen einzigartigen Duft. Es ist auch in Rosmarin, Eukalyptus und Salbei enthalten. Außerdem wird Pinen als Hustenmittel und als Antiseptikum genutzt. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass es nach Untersuchungen wohl eine chemische Verbindung zerstört, welche wiederum die Koppelung von Neuronen hemmt. Dadurch wird die Funktion des Gedächtnisses verbessert.

Dieses Terpen ist besonders in Skunk-Sorten enthalten und sorgt für den unverwechselbaren intensiven Geruch. Es ist außerdem für die schnelle Wirkung der Skunk-Sorten mitverantwortlich und besitzt schleimlösende Eigenschaften.

LIMONEN


Siedepunkt:176°C

Dieses Monoterpen ist für das herrlich duftende Zitrus-Aroma einiger Cannabissorten verantwortlich und ist auch in den Schalen von Zitrusfrüchten, in Rosmarin und in Minze enthalten. Dieses Terpen erfüllt sofort die ganze Luft. Limonen hat eine pilztötende, antibakterielle und vor Krebs schützende Wirkung. Es hat sich auch gezeigt, dass es gegen Tumore wirkt und gleichzeitig das Immunsystem stimuliert.

Limonen ist eine von zwei wichtigen Verbindungen, die aus dem Terpen Pinen gebildet werden. Pflanzen nutzen Limonen zur Abwehr von Raubtieren oder Schädlingen. Beim Menschen kann Limonen wegen seiner molekularen Struktur ins Gehirn gelangen und dort die Denkfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Konzentration verbessern. Bei einem Ungleichgewicht des Nerven- und Immunsystems (die unmittelbar die Homöostase betreffen) mit psychosomatischen und psychiatrischen Störungen könnte Limonen für die Behandlung von Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen eingesetzt werden. 

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